Abenteuerlich Reisen mit (aber auch ohne) Baby

Was habe ich in den 2 Monaten und 15.000 Kilometern von München durch Sibirien und die Mongolei bis nach Peking mit Levi über das Reisen und Leben mit Babys gelernt?

Freunde, Bekannte, Fremde werden Dich im angenehmsten Fall verständnislos anschauen und im unangenehmsten Fall als verantwortungslosen Egoisten beschimpfen. Gefragt nach den genauen Gefahren für das Kind kommt aber nichts, außer: das macht man halt nicht. Die Lautstärke und Schärfe der Kritik steigt umgekehrt proportional zur Reiseerfahrung der Kritiker.

Das heißt auf Reisen: Kaum ein Tag endet so, wie am Morgen gedacht. Und das ist gut so. Denn: Organisiertes Reisen ist nicht wirkliches Reisen. Ob nun mit oder ohne Baby.

Auf Reisen mit Baby trifft man noch mehr Menschen, als Alleinreisende. Die Liebe zu Babys, das gemeinsame Beobachten von Kindern liefert sofort einen Anknüpfungspunkt für Gespräche und ist häufig Auslöser für Einladungen nach Hause zu Menschen, die eben noch Fremde waren. Das Reisen mit Baby ermöglicht ein nochmal tieferes Eintauchen in die Lebensgewohnheiten der Menschen in den bereisten Regionen.

  Mit Baby reise ich viel langsamer als ohne. Ich mache weniger an einem Tag. Und erlebe dadurch viel intensiver, als vorher. Ich habe gemerkt, dass für mich babyfreundliches Reisen auch menschenfreundlicheres Reisen bedeutet. Ich wage die These, dass babyfreundliches Leben auch ein menschenfreundlicheres Leben bedeutet. Aber dazu hier mehr…

  Ich bleibe mit Levi mindestens 5, besser noch 7 Tage oder länger an einem Ort. Levi braucht einen Tag, um anzukommen. Und er hat mir gezeigt: Ich brauche das auch. Mehr Zeit an einem Ort zu verbringen, macht Kontakte zu den Menschen oft erst möglich. Mit Baby (und ohne auch) ist es schön, entspannend und bereichernd, an einem Ort wirklich anzukommen, auspacken zu können, da zu sein, sich zu integrieren in das Leben vor Ort. …wie Eric Weiner

Und erlebe dadurch mehr, als vorher. Dieses Nichts ist sehr kostbar für mich. Es läßt mich die Gegenwart in einer ungewohnten Intensität erleben. Ich mache das jetzt auch zu Hause. Ohne schlechtes Gewissen. Es führt zu Begegnungen, Gesprächen, Erlebnissen, die nie planbar gewesen wären. Es ist großartig!

Ich meide mit Levi unpersönliche, große, zu luxoriöse Hotels – denn sie errichten oft eine Barriere zwischen mir und dem Leben der Menschen vor Ort. Ich suche Lodges oder Ähnliches, die einen Anschluß an die Menschen vor Ort ermöglichen: wie die Chalets von Baikalcomplex am Baikalsee, bei denen das Management zum gemeinsamen Kochen in die Wohnküche einlädt und daraus bei längeren Aufenthalten etwas entstehen kann. Oder auch das Commune by the Great Wall, bei dem die Möglichkeit des Housesharings mit Einheimischen besteht – jeder hat sein Schlafzimmer, Küche und Wohnräume werden geteilt: Basis für tolle Gespräche und Erlebnisse. Also: mit Baby mitten rein in das Leben vor Ort. Nur mal kurz gucken und dann schnell wieder weiter ist stressig in Begleitung eines Babys.

juliamalchow_mongolei-19 Längere Autofahrten mit Baby unbedingt meiden. Länger heisst: länger als 2 Stunden. Eigentlich geht Autofahren nur in den Schlafsessions des Babys. Maximal noch eine Stunde länger. Und dass auch maximal nur alle 5 Tage. Zugfahren ist ideal, weil es maximalen individuellen Bewegungsfreiraum läßt. Beim Fliegen unbedingt Nachtflüge wählen. Direktflüge buchen oder bei Umsteigeverbindungen ein paar Tage Zwischenstopp einplanen. Yakkarts sind ideal :-)

unabhängig davon, was andere Menschen für richtig halten. Auf meiner Reise mit Levi als Baby konnte ich den regel- und glaubenssatzüberfrachteten deutschen Alltag als Mutter hinter mir lassen. Dass hat unsere Familienbande und unser Selbstverständnis als Familie enorm gestärkt. Reisen als Weg, in mich hineinzuspüren, herauszubekommen, was ich wirklich will und brauche – das hat schon vor Levi funktioniert – und zum Glück funktioniert es auch mit ihm noch.

Zum Beispiel werden üblicherweise langwierige und strenge Grenzübertritte (Rußland – Mongolei) in wenigen angenehmen Augenblicken absolviert. Denn: Auch Grenzbeamtinnen lieben Kinder.

Wenn gemeinsame Worte fehlen, brechen viele Menschen die Kommunikation ab: aus Angst, sich lächerlich zu machen. Oder aus Bequemlichkeit. Die Kommunikation mit Babys baut diesbezügliche Hürden ab: mit Zeichensprache, Mimik, einfachen Lauten und Blicken, die mehr sagen als die meisten Menschen mit Worten auszudrücken vermögen, über gemeinsames Essen und Lachen habe ich wunderbare Tage und Abende „ohne Worte“ verbracht.

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